Herausforderndes Verhalten bei Alzheimer

Herausforderndes Verhalten bei Alzheimer

Herausforderndes Verhalten bei Alzheimer-Unruhe, Schluchzen und Feindseligkeit können für Angehörige, Pfleger und andere Bewohner von Demenzkranken eine Herausforderung darstellen. Oft sind körperliche Probleme, Phobien, unrealistische Erwartungen oder unerfüllte Bedürfnisse daran schuld. Manchmal muss man sich einfach damit abfinden.

Invasives, aggressives oder feindseliges Verhalten gegenüber anderen wird in der Behindertenpflege als “herausforderndes Verhalten” bezeichnet. Zu den problematischen Verhaltensweisen von Alzheimerkranken gehören ständiges Schimpfen oder Schreien, Weglaufen und die Verweigerung von Nahrung, Medikamenten oder Pflege.

Demenzkranke können auch unkontrolliertes Verhalten an den Tag legen, wie z. B. sich ausziehen, in eine Ecke pinkeln oder Stuhlgang haben. Die stillen Verhaltensweisen eines Demenzkranken können hart sein – im Sinne von anstrengend: Apathie und Gleichgültigkeit sind zwei der am schwersten zu überwindenden Eigenschaften.

In der Wissenschaft wird zwischen extrinsisch und intrinsisch motiviertem Verhalten unterschieden. Extrinsisch motiviertes Verhalten wird durch äußere Ursachen wie eine unruhige Umgebung beeinflusst. Oder eine, die als übermäßig laut, heiß oder kalt empfunden wird. Andererseits gibt es Menschen in der Umgebung, die aggressiv sind und einem Demenzkranken gegen seinen Willen Gegenstände aufzwingen.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich motiviertes Verhalten. Dabei handelt es sich um ein Problem der unbefriedigten Bedürfnisse, das sich in Schmerzen, Hunger und Durst äußert. In diese Kategorie fallen auch Dinge wie schlechtes Einschlafen oder das Gefühl, kurz vor einer Krankheit zu stehen.

Vor allem Alzheimerkranke haben ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit. Daher können Stress und Zeitmangel dazu beitragen, dass schädliche Gewohnheiten beibehalten werden. In ihrem Buch “Understanding Challenging Behavior in People with Dementia” heben Sabine Bartholomeyczik, Margareta Halek und Daniela Holle die folgenden Faktoren für schwieriges Verhalten hervor:

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Verbale Verhaltensauffälligkeiten werden oft durch Unbehagen, Leiden oder Einsamkeit verursacht.

Aggressives Verhalten tritt eher bei der Körperpflege auf, wenn ein Patient gereizt ist oder die Situation als unangenehm empfunden wird.

Agitation (pathologische Unruhe) ist typisch bei chemischen oder körperlichen Fixierungen.

Doch was ist die eigentliche Ursache für dieses Verhalten?

Es braucht Zeit, das herauszufinden. In den meisten Fällen hilft nur Versuch und Irrtum. In der Praxis heißt das: Wenn Sie als Angehöriger oder Betreuer eine Vermutung haben, können Sie darauf basierend ein Angebot machen oder eine äußere Umgebung verändern – und dann beobachten, wie der Demenzkranke darauf reagiert.

Ein bekanntes Instrument zur systematischen Aufdeckung unerfüllter Bedürfnisse ist die “Serial Trial Intervention” (STI). Hier wird die Suche nach den Gründen für das problematische Verhalten organisiert.

Der erste Schritt besteht darin, herauszufinden, was Ihre körperlichen Bedürfnisse sind. Dazu gehören Dinge wie Schmerzen, Hunger, Durst und gesundheitliche Veränderungen.

Herausforderndes Verhalten bei Alzheimer

In der zweiten Phase werden affektive Bedürfnisse wie Umweltstress oder ein Mangel an zwischenmenschlichen Beziehungen untersucht.

Führen die ersten beiden Phasen nicht zu einer signifikanten Verhaltensänderung, geht man zur dritten Stufe über, die Massage- und Berührungsangebote sowie Snoezelen (ein schicker Begriff, der Umarmen und Schlafen kombiniert und sich auf ein einzigartiges Entspannungskonzept bezieht) umfasst.

Wenn keine dieser Behandlungen wirksam ist, können auf Verdacht Schmerzmittel verschrieben werden. Führt dies nicht zu einer Verhaltensänderung, schlägt die Theorie als letzte Option die Verabreichung eines experimentellen Psychopharmakons oder die Durchführung einer neuen Teambewertung der gesamten Situation vor.

Natürlich spielen Sympathien und Antipathien bei der Betreuung eine Rolle. Andere Menschen können als Auslöser für Menschen mit Alzheimer fungieren und negative Gefühle oder Empfindungen aus früheren Begegnungen hervorrufen. Dazu gehören Menschen, die der Mutter oder Tochter ähneln oder die sie an katastrophale Ereignisse erinnern.

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Es kann vorkommen, dass Menschen nur aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts abgelehnt werden. “Man darf so etwas nicht sagen”, sagt der Demenzexperte André Hennig, “aber wenn wir den Anspruch erheben, eine personenzentrierte Pflege zu leisten, und die zu pflegende Person lehnt eine Pflegekraft aus echten Gründen ab, dann sollte man das meiner Meinung nach auch anerkennen.”

In letzter Zeit wurde darüber diskutiert, ob der Begriff “herausforderndes Verhalten” angemessen und konstruktiv beschreibt, was passiert, wenn eine Person mit Alzheimer etwas zeigt, was vor der Selbstoptimierungsphase als “Problem” angesehen worden wäre. Die Begriffe sind mehrdeutig und rufen eine breite Palette von Emotionen hervor.

“Eine Aufforderung zum Kampf, eine Provokation oder ein Grund, etwas zu unternehmen”, so der Duden. Und “herausfordernd” bedeutet laut Duden, “eine Antwort in einer offenkundig aggressiven, arroganten Weise zu verlangen”. Nach den Definitionen ist eine Person die Quelle einer Absicht, die sie auf unangenehme Weise verfolgt.
Ist das vernünftig? Ist das richtig? Warum fragen Sie nicht, wie sie ihr Handeln bezeichnen wollen? Die Alzheimer’s Association of Canada hat genau das getan. “Responsive Behavior”, so wurde vorgeschlagen, wäre ein passenderes Wort.

Das erinnert mich an eine Idee des Kommunikationsexperten Paul Watzlawick, der sagte: “Kommunikation ist zirkulär”. Mit anderen Worten, sie hat weder einen Anfang noch ein Ende. Selbst vermeintlich “schwieriges Verhalten” ist im Kern eine Reaktion auf Kommunikation. Vielleicht hilft uns eine neue Formulierung, diese Situation besser zu verstehen.

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